Deutsche Bank: Millionenabfindungen für Vorstände, Sorge bei den Mitarbeitern

Di, 16. Juli 2019

„Zum Abschied regnet es Geld“, „Goldene Fallschirme für scheidende Deutsche-Bank-Manager“, „26 Millionen Abfindung für scheidende Vorstände der Deutschen Bank“ – diese Schlagzeilen müssen den voraussichtlich 18.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Deutschen Bank, denen der Konzern im Zuge des vor Kurzem beschlossenen Umbaus gekündigt hat und noch kündigen wird, wie Hohn in den Ohren klingen.

 

Denn während die Bank den drei Vorständen Frank Strauß, Sylvie Matherat und Garth Ritchie ihr Ausscheiden mit den besagten 26 Millionen Euro versüßt, stehen viele der Mitarbeiter nach ihrer Kündigung mit leeren Händen dar. Sie muss es doppelt ärgern, dass die Vertreter ihrer ureigenen Interessen, die Gewerkschaften im Aufsichtsrat der Deutschen Bank, den Beschluss über die Abfindungen mitgetragen haben.

 

Auch die Umbaupläne der Deutschen Bank (unter anderem die Verkleinerung des Bereichs Investmentbanking, in dem sie nicht mit der US-Konkurrenz mithalten kann) werden von den Gewerkschaften unterstützt. Marktbeobachter, etwa internationale Rating-Agenturen, sehen die Pläne hingegen skeptisch. Manche gehen gar davon aus, dass der Umbau die Deutsche Bank zu einer Kandidatin für Übernahmepläne macht. Der Aktienkurs fiel nach den Umbauankündigungen zunächst ebenfalls.

 

Nichts Genaues weiß man nicht

 

Die Zukunft der Deutschen Bank ist jedenfalls ungewiss. Und das wissen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Konzerns. Bei vielen herrscht Sorge, wie es weitergeht, ob sie ihren Job behalten oder wie etwa künftig die Lohn- und Gehaltspolitik der Bank aussieht. Das kann unter Umständen teuer für die Deutsche Bank werden – teurer als die 26 Millionen Euro für die scheidenden Vorstände. Denn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nicht wissen, wo es langgeht, schauen sich nicht nur nach anderen Stellen um, sie sind auch weniger motiviert, volle Leistung zu erbringen. Die Folge: Die Bank kann gegenüber anderen Kredithäusern ins Hintertreffen geraten, auch weil sich Fehler einschleichen, die womöglich nur schwer wieder auszubügeln sind.

 

Das wichtigste Kapital: die Mitarbeiter

 

Der Vorstand der Deutschen Bank muss daher in Zukunft verstärkt darauf achten, dass er den Mitarbeitern die Ungewissheit nimmt, er muss sie mitnehmen, ihnen die Vor-, aber auch die Nachteile des Konzernumbaus deutlich machen. Er muss ihre Ängste und Sorgen ernstnehmen, ihre Fragen beantworten, ihre Kritik annehmen. Das bedeutet natürlich auch zu überlegen, welche Signalwirkung Abfindungen in Millionenhöhe für Manager haben, während ein großer Teil der Mitarbeiter um seine Zukunft bangt. Diese und andere Konzernentscheidungen zu vermitteln, gehört zu den wichtigsten Herausforderungen der nächsten Jahre für die Deutsche Bank. Nur so kann das Institut auf Dauer seine Ziele, den Konzernumbau voranzutreiben und dennoch Gewinne zu machen, erreichen. Denn für ein Unternehmen im Dienstleistungssektor sind motivierte und leistungsbereite Mitarbeiter das wichtigste Kapital.

 

 

Autor: Nora Heer

Dieser Artikel wurde zuerst auf www.lead-digital.de veröffentlicht.

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