Der Fall Nokia und was Unternehmen daraus lernen können

Di, 09. April 2019

Nokia hat es vorgemacht: Das finnische Unternehmen, das von 1998 bis 2011 Marktführer für Mobiltelefone war, hat die Zeichen der Zeit verschlafen. Die Unternehmensführung setzte nahezu ausschließlich auf die Verbesserung von Produktionsabläufen bei seinen Mobiltelefonen und vergaß darüber, die Entwicklung neuer digitaler Produkte voranzutreiben.


Smartphones mit Touchscreen waren für Nokia zunächst kein Thema. Man war ja Marktführer und konnte es sich leisten, die kleineren Konkurrenten zu belächeln, die dieses Feature anboten. Das Ende vom Lied: 2014 verkaufte Nokia die Mobilfunksparte an Microsoft, weil sie nur noch Verluste einfuhr.

 

Digitalisierung und die Folgen

 

Etwas Ähnliches kann jedem Unternehmen passieren, das nicht schnell genug auf Veränderungen reagiert. Veränderung, das bedeutet heute vor allem digitale Transformation.

 

Überall – in den Produktionsabläufen, bei den Dienstleistungen genauso wie bei den Produkten – halten digitale Technologien Einzug. Selbst die Textilbranche entwickelt Stoffe, die ihre Farbe, etwa als Reaktion auf äußere Einflüsse, ändern können. Jedes Unternehmen muss sich auf diese Veränderungen einstellen, will es nicht irgendwann den Weg des finnischen Mobilfunkherstellers einschlagen. 

 

Diese Veränderungen bedingen gleichzeitig Änderungen in der Unternehmensstruktur. Langjährige Planungszyklen sind out, ebenso das Schritt-für-Schritt-Abarbeiten von Aufgaben, die Monate im Voraus festgelegt wurden. Stattdessen müssen Unternehmen rasch und flexibel reagieren, sich den Veränderungen in der Branche immer von Neuem anpassen, im Denken bereits möglichst einen Schritt voraus sein.

 

Das sehen die Unternehmen in Deutschland zwar genauso (für immerhin 72 Prozent der mittelständischen Unternehmen war dem Bitkom-Praxisleitfaden zur Digitalisierung von 2016 zufolge die digitale Transformation eine der zentralen Herausforderungen), doch die Strukturen in vielen Unternehmen sind nach wie vor die gleichen. Ein großer Teil der Unternehmen wird immer noch hierarchisch von oben nach unten geführt. Doch so kann digitale Transformation nicht gelingen.

 

Agilität ist keine Worthülse

 

Stattdessen müssen Unternehmen agil werden. Agilität, das denken leider immer noch viele Unternehmenslenker, sei wieder so ein Schlagwort ohne Inhalt. Doch das stimmt nicht. Agiles Arbeiten im Unternehmen bedeutet unter anderem, dass Hierarchien entfallen oder stark reduziert sind. Die Mitarbeiter sollen selbstständig kreative Lösungen entwickeln, Ideen allein oder im Team produzieren können, ohne befürchten zu müssen, als Quertreiber oder Tagträumer angesehen zu werden. Führungskräfte gibt es zwar, doch ist es nicht ihre Aufgabe, die Mitarbeiter zu kontrollieren. Stattdessen sollen Teamleiter die Mitarbeiter befähigen, das bestmögliche Arbeitsergebnis zu erzielen.

Die Arbeit in agilen Unternehmen orientiert sich zudem wesentlich stärker an den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden. Sind die Kunden nur bedingt zufrieden, erfordert dies ein rasches Entgegensteuern. Entscheidungen werden in agilen Unternehmen auch dann getroffen, wenn noch nicht sicher ist, ob sie zum Erfolg führen. Fehler werden dabei in Kauf genommen, lassen sich dank der Agilität des Unternehmens jedoch schnell wieder revidieren.

 

Die Arbeitnehmer stärker in betriebliche Prozesse einbinden

 

Agiles Arbeiten bedeutet außerdem, dass nicht nur die Mitarbeiter Feedback von ihren Vorgesetzten erhalten, sondern auch die Führungskräfte von ihren Mitarbeitern. Die Mitarbeiter in einem agilen Unternehmen teilen kontinuierlich mit, was gerade gut oder weniger gut läuft, sie machen Vorschläge, die auch die Hierarchiestufen und Entscheidungskompetenzen betreffen und – ganz wichtig: Sie dürfen auch Entscheidungen anzweifeln, ohne Repressalien befürchten zu müssen.

 

Ein solches Feedback kommt sowohl dem Management wie auch den Beschäftigten zugute. Erstere erfahren sehr schnell, wenn etwas im Unternehmen nicht rund läuft, Letztere fühlen sich stärker eingebunden in die Unternehmensprozesse, was die Arbeitsmotivation erhöht. Schließlich sind die Mitarbeiter (nicht nur) in agilen Unternehmen ein bedeutender Faktor für den betrieblichen Erfolg. Fachleute zu halten und neue zu gewinnen – auch durch Mundpropaganda der bereits im Unternehmen Beschäftigten –, ist in Zeiten des Facharbeitermangels unerlässlich. Insbesondere wenn es um die digitale Transformation geht.

 

Und da schließt sich der Kreis. Unternehmen, die umdenken und ihre Strukturen ändern, haben gute Chancen, zugleich die digitale Transformation gewinnbringend voranzutreiben, Dienstleistungen und Produkte anzupassen und/oder neue zu entwickeln und damit auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Denn den Weg von Nokia einzuschlagen, ist keine Option, oder?

 

 

Autor: Nora Heer

Dieser Artikel wurde zuerst auf www.lead-digital.de veröffentlicht.

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