Elon Musks Charisma hilft, nützt Tesla aber nichts

Di, 05. März 2019

Elon Musk steckt in Schwierigkeiten. Sein Unternehmen Tesla verfehlt avisierte Gewinne, es gelingt ihm bislang nicht, ein Elektroauto im mittleren Preissegment zu produzieren und so auf den Massenmarkt vorzustoßen.

 

Elon Musk steckt in Schwierigkeiten. Sein Unternehmen Tesla verfehlt avisierte Gewinne, es gelingt ihm bislang nicht, ein Elektroauto im mittleren Preissegment zu produzieren und so auf den Massenmarkt vorzustoßen, und er muss etwa 3000 Mitarbeiter – 7 % der Belegschaft – entlassen. Schon werden die Rufe laut, der Tesla-CEO solle seinen Posten aufgeben. Mit seinem Hang zur Selbstdarstellung sei er besser in der Marketingabteilung aufgehoben.

 

Vielleicht ist das gar nicht so falsch. Denn auf der Bewertungsplattform Glassdoor kommt Tesla ebenfalls immer schlechter weg – die Beliebtheitswerte des Unternehmens als Arbeitgeber sacken seit 24 Monaten kontinuierlich ab. Und der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf her.

 

Denn für die Kennzahlen eines Unternehmens ist es nur begrenzt von Bedeutung, wie viel Charisma ein CEO versprüht. Sogar die Produkte – und lösen sie noch so viele Probleme – entscheiden nicht allein über den Erfolg eines Unternehmens. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen maßgeblich dazu bei. Ziehen sie nicht mit, lassen sich Produkte und Arbeitsabläufe kaum weiterentwickeln. Daneben schleichen sich Fehler in der Herstellung ein. In Zeiten des Internets (Stichwort: Shitstorm) kann der Ruf eines Unternehmens zudem anhaltenden Schaden nehmen, reden Mitarbeiter schlecht über ihren Arbeitgeber und dessen Arbeitskultur.

 

Letzteres ist bei Tesla derzeit massiv der Fall. Auf Glassdoor beschweren sich (ehemalige) Arbeitskräfte darüber, dass Vorgesetzte ihnen Misserfolge langfristig vorhielten, Erfolge hingegen schnell vergessen seien. Die Entscheidungsprozesse bei Tesla seien zudem stark zentralisiert und es mangele an Transparenz, Ideen aus der Belegschaft würden nicht aufgenommen.

 

Agiles Arbeiten geht anders

 

Bei den vielfältigen Herausforderungen, die Unternehmen im Zeitalter der Globalisierung zu meistern haben, um auf lange Sicht erfolgreich zu sein, müssen sie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbeziehen. Denn die wissen durch den täglichen Umgang mit den Unternehmensprodukten und den direkten Kontakt zur Kundschaft genau, wo die Knackpunkte in der Produktion liegen, wo Verbesserungen nötig und zusätzliche Dienstleistungen erwünscht sind. Ein kontinuierliches Feedback der Mitarbeiter über Arbeitsabläufe, Produkte, Kundenwünsche und Mitarbeiterzufriedenheit hilft, Unternehmen langfristig auf der Erfolgsspur zu halten. So lassen sich Schwierigkeiten schnell erkennen und Lösungen finden. Und zwar am besten, bevor die Probleme bei den Kunden ankommen, öffentlich werden und die Shareholder beunruhigen.

 

Mitarbeiterfeedback zu bekommen, ist heute dank moderner Tools nicht schwer. Vor allem nicht, wenn die Abläufe anonymisiert sind. Dann trauen sich alle, das zu sagen, was ihnen auf dem Herzen liegt und zwar regelmäßig – vorausgesetzt, die so gesammelten Daten landen nicht im Nirwana, sondern werden tatsächlich für die Verbesserung von Arbeitsabläufen und Arbeitsklima genutzt. Auch die Entscheidungsträger im Unternehmen müssen verstehen, dass Feedback keine unfaire Kritik an ihrer Arbeit, sondern ein Mittel ist, der Konkurrenz immer eine Nase voraus zu sein. Denn an der Basis, im Kundenkontakt und der Produktion, zeigen sich Schwierigkeiten oft lange, bevor sie in den oberen Etagen ankommen. Ein schnelles Gegensteuern sorgt dann dafür, dass das Unternehmen keinen Schaden davonträgt – agile working at it’s best.

 

Unternehmen, die so arbeiten, brauchen keinen charismatischen CEO, um in ihrer Branche weit nach vorn zu kommen und dort zu bleiben. Das Charisma eines CEO kann allerdings das Tüpfelchen auf dem I sein, um ein Unternehmen im Gespräch zu halten. Denn natürlich schadet Charisma in der Unternehmensspitze nicht, es ist jedoch nicht alles.

 

Autor: Nora Heer

Dieser Artikel wurde zuerst auf www.lead-digital.de veröffentlicht.

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