Change-Projekte: Veränderung kann Spaß machen

Di, 28. Mai 2019

Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen Unternehmen stärker als bisher individualisierte Produkte anbieten. Die Folge: Auch Kunden und Geschäftspartner werden stärker in die Fertigungsprozesse eingebunden. Auf diese Herausforderungen sind jedoch bislang nur die wenigsten Unternehmen in Deutschland eingestellt.

 

Wieder einmal machte das Schlagwort von der Industrie 4.0 auf der diesjährigen Hannover-Messe die Runde. Das bedeutet: Im Zeitalter der Digitalisierung bleibt in den Unternehmen künftig voraussichtlich kein Stein mehr auf dem anderen. In den Produktionshallen treffen in absehbarer Zeit vermutlich Maschinen statt Menschen Entscheidungen darüber, ob z.B. Material nachbestellt oder Fehler im Produktionsprozess behoben werden müssen. Überwacht werden die Maschinen dabei nicht zwangsläufig von den Arbeitskräften im Betrieb, sondern unter Umständen von Ingenieuren und IT-Spezialisten, die an einem ganz anderen Ort arbeiten und Prozesse steuern. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen Unternehmen außerdem stärker als bisher individualisierte Produkte anbieten. Die Folge: Auch Kunden und Geschäftspartner werden stärker in die Fertigungsprozesse eingebunden. Auf diese Herausforderungen sind jedoch bislang nur die wenigsten Unternehmen in Deutschland eingestellt.

 

Skepsis gegenüber Veränderung

 

Das ist auch kein Wunder, denn die Digitalisierung verläuft in einem rasanten Tempo und die damit verbundenen radikalen Veränderungen erfordern zahlreiche Umstrukturierungen. In vielen Unternehmen ist jedoch weder die Führungsebene noch die Belegschaft auf solche Änderungen vorbereitet. Hinzukommt: Change-Prozesse sind schwierig. Menschen halten gerne an Altbewährtem fest und sind Neuerungen gegenüber oft skeptisch – jedenfalls, wenn nur der engste Führungskreis die notwendigen Veränderungen bespricht, darüber entscheidet, was gemacht werden soll, und die Ergebnisse am Ende den oft überraschten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Betrieb präsentiert. Die auf Veränderungsprozesse spezialisierte Unternehmensberatung Mutaree beschreibt in ihrer Change-Fitness-Studie 2018/2019, dass rund drei Viertel aller Change-Projekte der letzten zwei Jahre entweder im Sand verliefen oder scheiterten. Einer der Hauptgründe: Die Bedürfnisse der Arbeitskräfte im Change-Prozess werden zu wenig beachtet. Dabei sind es die Menschen im Unternehmen, die die Veränderungen gestalten und vor allem mittragen müssen.

 

Veränderung von oben überfordert die Mitarbeiter

 

In vielen Unternehmen ist es jedoch immer noch so, dass den Arbeitskräften Veränderungen von „oben“ aufgedrückt werden. Das verunsichert die Mitarbeiter. Manche haben Angst, den neuen Anforderungen nicht gerecht zu werden, viele haben Probleme, sich in anderen als gewohnten Strukturen zurechtzufinden, und ein Teil befürchtet sogar, als Folge der Umstrukturierungen zumindest auf lange Sicht den Arbeitsplatz zu verlieren. Hinzukommt: Change-Projekte verlangen den Mitarbeitern einiges ab. Sie müssen – zusätzlich zum Tagesgeschäft – weitere Tätigkeiten erledigen. Das geht auf Kosten der Gesundheit: Die Arbeitsbelastung steigt, Überstunden sind vorprogrammiert. Da ist es nur zu verständlich, dass viele Arbeitskräfte Change-Prozesse ablehnen und zahlreiche Change-Projekte letztlich doch nicht umgesetzt werden.

 

Den Veränderungsprozess gemeinsam mit den Mitarbeitern gestalten

 

Unternehmen, die etwas verändern wollen, sollten daher die Belegschaft in den Veränderungsprozess einbeziehen – am besten bereits im Vorfeld. Sie sollten die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abfragen und für Vorschläge offen sein, wie sich Change menschlicher gestalten lässt. Denn soll ein Change-Projekt gelingen, müssen auch die Mitarbeiter etwas von den Veränderungen haben, z. B. Arbeitserleichterungen nach Abschluss der Umstrukturierung, mehr Verantwortung und Entscheidungsfreiheiten. Auch während des Change-Prozesses ist es wichtig, die Arbeitskräfte mitzunehmen und stets ein offenes Ohr sowohl für Kritik als auch für Verbesserungswünsche zu haben. Denn klar ist: Mitarbeiter sind Veränderungsprozesse gegenüber nicht ausschließlich negativ eingestellt. Das zeigt eine weitere Mutaree-Umfrage: 99 % aller Befragten sagten aus, dass Change auch Spaß machen kann. Das ist doch mal ein Wort!

 

 

Autor: Nora Heer

Dieser Artikel wurde zuerst auf www.lead-digital.de veröffentlicht.

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