Weg von der Blindflug-Strategie vieler Unternehmen

Di, 12. Februar 2019

Ein Unternehmen zu gründen, stand nie auf meinem Plan. Dann tat ich es doch – und sprang ins kalte Wasser. Der Weg ist zwar steinig aber rückblickend hat sich das Risiko gelohnt. Lektionen einer Start-up-Gründerin.

 

 

Ein Unternehmen zu gründen, hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm, als ich mich als engagierte Head of Human Resources auf die Suche nach einem geeigneten Tool für Performance-Management und Mitarbeiter-Feedback machte. Schnell war mir klar – der Markt gibt nichts Passendes her. Also, Ärmel hochgekrempelt und Loopline Systems gegründet.

 

Im Rückblick kann ich sagen, dass ich intuitiv genau das Richtige getan habe. Als Gründerin ins kalte Wasser geworfen zu werden, ist das beste Stipendium – eine steile Lernkurve inklusive. Die Idee war da, nur eine Software einzusetzen oder eine Software zu verkaufen – das sind ganz verschiedene Dinge oder anders gesagt: Ich fühlte mich manchmal wie unser Logo: In einer Loopingschleife gefangen.

 

Zwischen Konfetti-Party und Verzweiflung

 

In dieser Zeit habe ich vor allem gelernt, nicht mehr in Problemen zu denken, sondern die Zuversicht zu haben, dass es für jede Hürde auch einen Lösungsweg gibt. Zugegeben, die Pionierphase fühlt sich im Nachhinein an wie eine einzige bunte Konfetti-Party!

 

Wir haben vieles ausprobiert. Unsere Entscheidungen waren meist aus dem Bauch heraus und mussten sich sehr schnell beweisen. Der Markt ist da gnadenlos.

 

Es gab Momente – die wahrscheinlich jeder Gründer hat – in denen ich dachte: Macht das überhaupt Sinn? Aber weiterzumachen, nicht aufzugeben und nach dem Hinfallen wieder aufzustehen, ist gerade in dieser Phase wichtig.

 

Nicht nur unser Produkt hat sich über die Zeit zur Marktreife entwickelt. Auch ich habe viel gelernt und bin meinen Weg gegangen. Als frischgebackene Unternehmerin war ich noch stark von meiner HR-Rolle geprägt.

 

Dazu kam, dass ich mich permanent in meiner Start-up-Filterblase bewegte. Die Welt des Mittelstands war für mich weit, weit weg. Heute, als Geschäftsführerin eines Digitalunternehmens mit vielen Kunden im Mittelstand, verstehe ich haarscharf, was den Mittelstand umtreibt: Wie kann ich meine Organisation besser steuern und sie gleichzeitig agiler und schlanker gestalten?

 

Wie bleibe ich konkurrenzfähig in einer schnellen, unbeständigen, unsicheren und zunehmend komplexen Welt? Wie steigere ich unter diesen Rahmenbedingungen den Gewinn und senke gleichzeitig die Kosten?

 

Veränderungsprozesse ohne Blindflug

 

So schön bunt wie die Konfettiphase auch war, heute weiß ich, dass Daten und „proven Effects“ bessere Entscheidungen bringen als der diffuse Bauch. Mehr als zwei Drittel der angestoßenen Change-Projekte bleiben zum Beispiel auf halbem Weg stecken.

 

Oft liegt das nicht zuletzt an mangelnder interner Kommunikation und einer untauglichen Blindflug-Strategie. Warum also nicht die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befragen, die am besten beurteilen können, wie die angestrebte Veränderung ankommt und vorankommt?

 

Moderne Tools erlauben es, rasch und einfach die Sorgen und Bedenken von Leistungsträgern, aber auch andere Störfaktoren und Hindernisse zu erkennen und die richtigen Stellhebel für Gegenmaßnahmen zu identifizieren. So verbessern sich die Erfolgschancen dramatisch und kosteneffizient ist das auch.

 

Auf jeden Fall viel besser als Blindflug und auch als die bunten Konfetti.

 

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Autor: Nora Heer

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